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Gruppe, Individualität und Egoismus

23. Mai 2013

Um einen alten Irrtum gleich zu klären: Individualität steht nicht gegen Gruppen und ist auch kein anderes Wort für Egoismus.

Jede Gruppe setzt sich aus verschiedenen Mitgliedern zusammen, die alle in der Gruppe bestimmte Rollen spielen. Die Rollen werden von der Gruppe an die Mitglieder vergeben, entweder weil es die nötigen Eigenschaften mitbringt oder aus der Zuversicht heraus, dass sie erarbeitet werden. Rollen sind einzigartig. Individuen auch. Eine Gruppe ohne Individuen wäre keine Gruppe sondern purer Gleichklang.

Hier kommt es auf die Definition von Gruppe an: Als Überbegriff einer bestimmten Eigenschaft, die Handwerker, das Fussvolk oder als Gemeinschaft, die ein Ziel erreichen will: Eine Firma, eine Familie, eine Band …

Das Fussvolk kann beiden Gruppen zugeordnet werden. Sie sind alle zu Fuss unterwegs und sie bekommen eine bestimmte Aufgabe, Ziel vorgegeben. In zivileren Kreisen sind solche Mehrdeutigkeiten seltener, weil die Ziele meist von den Gruppen selbst gewählt werden. Die militärische Vereinfachung – bitte, ich konnte mir die kleinen Spitzen in Wortspielen nicht verkneifen, das war zu verführerisch. Die „Hinlegen Aufstehen“ Mentalität ist nicht meine, aber ich ertrage und erdulde sie, wenn es die Situation benötigt – ist wahrscheinlich der Grund dafür, dass es immer wieder Diskussionen über die scheinbaren Gegensätze von Individualität und Gemeinschaft gibt. Aber es gibt Ähnlichkeiten, die nicht verschwiegen werden sollen:

Wenn auf einer Baustelle viele Handwerker benötigt werden, dann bildet sich eine Hierarchie aus. Da gibt es Neue, denen man was beibringt. Dann welche die schon wissen wie der Hase läuft und noch gut laufen und solche, die Antreiben / Ansagen, sie werden gern als Wölfe empfunden. Dann noch der Architekt und der Bauherr. Diese Hierarchie ist durchlässig. Wer gut Lernt, dann gut Läuft, kann auch mal Bauherr sein.

In solchen Gruppen wird „Individualität“ meist als Quertreiber und entsprechend als störend empfunden.Diese Individuen sind meist missverstandene Menschen, solche, die etwas Lernen wollen und deshalb Fragen stellen. Solange die Fragen bequem beantwortet werden können, sind die Steller Interessierte, können oder wollen die Fragen nicht mehr beantwortet werden, dann sind es Individualisten. Der Begriff ist als Schimpfwort gemeint und steht für: „Zurück ins Glied du Störenfried“.

Nicht die Individualität sondern der Individualist ist der zum Gegenteil der Gruppe aufgebauschte Mückenstich, der, der auffällt und unangenehm wird. Mit Individualität hat das wenig zu tun.

Für Individualität gibt es viele Definitionen, im Prinzip geht es darum, ob ein Mensch einzigartig ist und wenn wie? Ob er sich entwickeln kann, darf, soll oder … Kurz: Man ist sich sicher, dass der Mensch Eigenschaften hat, aber noch nicht darüber, was das bedeutet oder wie damit umzugehen ist. (Diese böswillige Interpretation wurde nur gewagt, damit der Leser mit den Worten auf den Lippen: „Na schau ma mal“ sich wagt die Begriffe selbst nachzuschlagen, denn sie hier darzustellen sprengt etwas den Rahmen. Kleiner Tipp, hier kann man anfangen: http://de.wikipedia.org/wiki/Individualit%C3%A4t).

Individuen sind wir alle, weil wir Eigenschaften haben, die uns identifizierbar machen. Die strittige Eigenschaft von Individuen ist das „Werden“. Entwickelt sich ein Individuum oder bleibt es, was es immer schon war? Besonders unangenehm ist dieses „Werden“, wenn es zur Karrierefrage wird. Aber gerade die, die Karriere gemacht haben, wissen, dass es geht und reagieren auf Leuten, die es auch könnten, aggressiv. Viele Beschimpfungen als Individualist sind Karrierekämpfe, Warnungen, Disziplin zu wahren, kleinere Brötchen zu backen … Die Geringschätzung der Individualität ist meist eine Einladung „brav mit den anderen zu spielen“. Eine Disziplinierungsmassnahme. Diese Diskredition soll uns hier weiter nicht beschäftigen. Schliesslich ist das hier ein ernst zu nehmender Blog 😉

Ernsthafter wurde über Individualität wurde bereits hier: https://roseny.wordpress.com/2013/04/26/menschen einiges gesagt.

Individualität ist etwas, das sich von selbst einstellt, wenn es einer Gruppe (und den Mitgliedern) gut geht. Die Gruppe war, die Mitglieder sind erfolgreich. Die Mitglieder können eigenen Interessen nach gehen und gute Gruppen erlauben das nicht nur, sie fördern es, denn jedes zusätzliche Wissen stärkt die Möglichkeiten der Gruppe. Die westlichen Staaten befinden sich überwiegend und seit geraumer Zeit in dieser Phase. Gruppe, Domination und Unterwerfung, das sind Rituale und Themen der Jugend, die immer spezifischere Personen durch Unterstützung der jeweiligen Fähigkeiten, Sozialisierung und Aufbau einer selbstsicheren Personen aktive Mitglieder der Gesellschaft liefert.

Individualität der Mitglieder ist für eine gute Gruppe das Beste, was ihr passieren kann. Denn es ermöglicht ihr, sich auf Unvorhergesehenes vorzubereiten. Einige würden sagen, dass es ein Status Symbol für Gruppen ist. In anderen Phasen „unterwerfen“ sich die Mitglieder, einfach weil es nötig ist. Weil die Einzelnen durch die Gruppe in widrigen Umständen gestärkt werden, machen sie das freiwillig. Geht es der Gruppe besser und die Gruppe unterdrückt die Individualisierung, dann bilden sich neue Gruppen.

Am besten ist es für gute Gruppen, wenn die ehemalige Führungsmannschaft versteht, dass es nun demokratischer wird, Einwände, andere Menschen und Meinungen, Alternativen in der neuen, schönen Situation auch ernst zu nehmen sind. Meist reicht es, wenn man das ein paar mal macht. Viele wollen nur wissen, ob sie ernst genommen werden und beruhigen sich schnell, wenn man es tut – Nachlaufen ist schon einfacher, das merkt jeder schnell. Die „Kriegshäuptlinge“ sollten einsehen, dass aus dem Ansager ein Lehrer und Diskutant wird. Oder es geht der Gruppe schlecht – man kann sich also halten und riskiert, dass die Gruppe sich auflöst.

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