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Wie war das mit dem Geld nochmal?

29. Dezember 2012

Wenn eine neue Währung etabliert wird, ist der Zinseszins für Firmen sogar positiv, denn aktuell nicht gebrauchte Gelder verlieren nicht an Wert, die Inflation wird fasst ausgeglichen. Überlegtes Handeln statt Aktionismus. Ein bisschen geparktes Geld ist nicht schlimm – im Gegenteil: Braucht der eine es gerade nicht, findet sich sicher einer, der welches braucht – man hilft sich gegenseitig. Aber grössere Mengen geparkter Gelder stellen für den Markt einen Verlust dar.

Um das verstehen zu können sind ein paar Grundlagen nötig: Geld ist zunächst ein Tauschmittel. Wie und warum es zu einem Tausch kommt? Wenn einer zehn Äpfel hat und der andere vier Birnen – dann passiert erstmal nichts. Sagen wir, der mit den Birnen hört den Satz: „Ein Apfel am Tag erspart den Doktor“ er glaubt das – aus welchem Grund auch immer. Nun ist ein Bedarf geweckt und der Wert seiner Birnen ist gesunken – er kann sich leichter davon trennen. Der Wert eines Apfels ist gestiegen. Der mit den Birnen gibt zwei für einen. Beide sind sich einig und zufrieden.

Erst der Bedarf und das Angebot bestimmen, ob es zu einem Tausch kommt und wenn was gegen was und wie viel von jedem getauscht wird. Was passiert, wenn der mit den Äpfeln keine Birnen braucht? Dann kommt der Handel nicht zustande. Manchmal gelingt es einen Handel über Dritte oder mehrere Stationen zu organisieren … fragen Sie mal den Bekannten aus der ehemaligen DDR, fasst jeder kennt solche Organisationsgeschichten, vielleicht von den (Gross-) Eltern.

Der an den Bedarf und ans Angebot gebundene Tauschhandel verhindert oft den Tausch. Nimmt man ein Allgemeingut, etwas, das selbstverständlich ist und jeder irgendwie hat, und tauscht alles nur noch in diese „Währung“, dann kann jeder mit jedem tauschen, es braucht keine Dritten mehr. Im Lateinischen steht das Wort für Geld „pecunia“ auch für Kleinvieh. Im Schwarzhandel wurde in Zigaretten gerechnet. Grundsätzlich kann alles Geld werden – es ist nur eine Frage der Mengen.

Stellen sie sich einen Markt in jener Zeit vor, ein Reiseführer erzählt: Innovationen wie Bronze war gut für Haushaltsgeräte die Schwerter waren nur Kunst und Statuszeichen, denn im Kampf verbiegen sie sich zu schnell, entsprechend viele wurden angeboten und die Kunden kamen mit Ställen mit Hühnern und Ziegen, Schweinen ein paar brachten so neumodisches Zeug wie Pferde mit, spektakulär aber nichts wert.

Aber warum packen einige Händler die Wahre schon wieder ein? Der Markt beginnt doch erst! Weil sie einen bestimmten Preis erzielen wollen. Das offen zur Schau gestellte Geld ermöglicht es ihnen die erreichbare Preise einzuschätzen – sie korrigieren ihn, indem sie die Menge der zum Handel angebotenen Wahre variieren.

Der hiesige Häuptling hatte versucht diese Manipulationen zu verbieten, aber dann kamen weniger Händler und die Preise stiegen erst recht. Der Häuptling hat dann den Leuten gesagt, sie sollen immer alle ihre Viecher mitbringen, aber bitte nur das kaufen, was man vorhatte. Das hat aber nicht funktioniert, die Leute gaben immer alles aus.

Einmal fingen die Händler an untereinander zu kaufen und zu verkaufen – es hatte sich herumge-sprochen dass ein neuer Markt eröffnet werden soll und die Händler wollten mit dem richten Sorti-ment dort hingehen. Gerüchte kursierten, der Markt wäre allgemein, dann wieder spezial … und jeder war auf einen anderen Gerüchtestand. Bei der grossen Nachfrage stiegen die Preise und die Händler kauften fürs Doppelte, was sie gerade verkauft hatten zurück… verrückte Händler.

Zu welchem Preis gehandelt wird, regelt sich nicht nur über Angebot und Nachfrage wie beim reinen Tauschhandel. Wenn Geld im Spiel ist, spielt es auch eine Rolle wie viel Geld es gibt, dass und wie oft es den Besitzer wechselt.

Dass das Kleinvieh vom Gold verdrängt wurde, kann praktische Gründe gehabt haben. Z.B. weil es unsichtbarer und leichter zu transportieren ist oder weil es nicht aktiv weglaufen kann. Wer mit seinen Hühnchen nicht handelte – der ass sie. Tauschmittel hatten keinen, oder nur einen geringen und wenn einen flüchtigen Wert. Der Wert war eher symbolisch. Das war damals schon immer so.

Hühnchen zu lagern macht wenig Sinn. Man braucht den entsprechenden Platz und Futter, Wasser Personal … Solches Geld ist ganz schön teuer. Am Ende des Tages war es nötig, dass der Bauer sein Geschirr bekommen hat, der Bronzeschmied neue Bronze, die Erzklopfer neue Werkzeuge, die Werkzeugmacher neues Material, alle etwas zu Essen und … Wahrscheinlich begann der Markt mit dem Erscheinen der Bauern, die Hühnchen wanderten dann zu den Erzklopfern von dort zu den Werkzeugmacher und … Am Ende des Markts gab es dann ein grosses Fest mit viel Hühnchen.Geld war nur ein Mittel zum Zweck, ein Tauschmittel eben. Wer zu viele Hühnchen hatte bekam Bauch-schmerzen oder lud sich Leute ein.

Im Alltag nahm man die zu bezahlenden Hühnchen vom Hof bzw. stellte die eingenommen dort ab. Nicht jeder Handel endete mit einem Fest. Die Hühnchen endeten alle im Topf – oder so. Morgen schlüpften neue.

Hätte man einen Menschen aus jener Zeit gefragt, ob er es für eine gute Idee hält, Gold zu Geld zu machen, wäre wohl das die Antwort gewesen: Was, mit Gold tauschen? Finanzen sind nicht Dein Gebiet – oder? Wenn du tauschen willst, dann nimmst du etwas, das weniger wertvoll ist, als das, was du haben willst. Gold ist viel zu wertvoll – Grösseres gibt es nicht mehr und wo willst du die Massen von Hühnchen herbekommen für ein Stückchen Gold?

Der Mann hat Recht, deshalb gab es Münzen aus verschiedenen Materialien – Kupfer, Blei aber auch Goldmünzen. Die Münzen hatten einen bleibenden Wert, konnten leicht gelagert werden und waren einfacher zu transportieren als Hühnchen. Es stellte sich aber bald ein Problem ein: Münzen konnten und wurde gehortet. Metall gab es nicht unendlich viel, bald stellte sich heraus: Wer viel hortet, der bekommt mehr fürs Geld – wenn er weiss wann er es ausgeben soll.

Das war jetzt ein bisschen kompakt, ein Blick auf die Einzelteile lohnt sich: Im Gegensatz zu den Hühnchen wachsen Metalle nicht nach und holen sich auch nicht wie von selbst aus dem Berg bzw. Eischale heraus. Münzen machen bedeutet einen erheblichen Aufwand zu betrieben. Jetzt konnte nicht mehr jeder Geld machen. Das war ein erster Fälschungsschutz. Man wusste genau wie viel Geld es gab und geben wird, denn es wuchs nicht mehr bei jedem im Garten. Perfekte Kontrolle über alles. Scheinbar nur Vorteile in dieser schönen neuen Welt.

Hier die Nachteile: Wer genau weiss, wie viel Geld und Wahren es gibt, der kann exakte Preise errechnen – und wird sich sicher verrechnen. Da Geld nun einen lagerbaren Wert an sich darstellte, konnte man sich einen Vorrat anlegen. Das tat auch fast jeder – wenn er konnte. Die Folge war, dass viel weniger Geld kursierte, die Geldmenge sank und die Preise fielen.

Nun sahen die, die Geld gehortet hatten, dass sie für ihr gesammeltes Geld viel mehr bekommen als vorher – sie stellten ein paar Rechnungen an und das Ergebnis war: So wenig wie möglich kaufen. Bei sinkender Nachfrage sinken die Preise, die wegen der geringen Geldmenge bereits unter Druck waren, die beiden Gründe liessen die Preise ins Bodenlose stürzen. Unter einem bestimmten Preis stellen die Hersteller und Händler den Handel ein, der Markt existierte nicht mehr. Schönes neues Geld, schlechte neue Welt.

Warum haben die Leute sich vom bestehenden und funktionierenden Tauschhandel abgewandt und sich der Metall- oder Münzwährung verschrieben, der fatalen? Weil Hühnchen unpraktisch sind.

Die Händler hatte wahrscheinlich schon sehr früh andere, praktischere Parallelwährungen wie Salz. Gegenstände also. Metalle wurde ebenso überall gebraucht, mussten eh hin und her gekarrt werden, es lag einfach nahe, auf Metall umzustellen: „Als Geld eignet sich alles, was jeder in einer bestim-mten Menge besitzt“. Nur mit dem bleibendem Wert hat man nicht gerechnet.

Aber bei den Händlern hat es jahrhundertelang funktioniert, warum brach dann plötzlich der Markt ein? Händler handeln. Sie wollen, dass die Wahre weiterverkauft wird. Wahre auf dem Hof kostet Geld damals wie heute, sie ist teuer. Ihren privaten Reichtum hatten die meisten Händler längst. Dieses Kilo Gold pro grossem Händler fiel nicht ins Gewicht. Wenn aber jeder hundert Gramm Gold horten will, dann fällt das ins Gewicht.

Das muss ein lebhaftes Bild gewesen sein, das sich auf dem Marktplatz abspielte. Jeder nur seinen Interessen verpflichtet, gab jedem anderen die Schuld. Es war paradox: Geld, Wahren und Bedarf gab es genug, aber keiner wollte Handeln weil er entweder einen höheren Preis erzielen oder einen geringeren zahlen wollte.

Die Lösung war typisch Händler: Mehr Händler, Geldhändler. Ihre Aufgabe war es, das Geld für die anderen zu horten und den Markt mit dem gehorteten Geld aufrecht zu halten. Das funktionierte so: Wer Geld horten wollte – aus welchen Gründen auch immer – der gab es dem Geldhändler, dieser gab das Geld an andere, die gerade Geld brauchten, weiter. Dafür bekam er mehr Geld zurück als er gegeben hatte. Einen Teil behielt er ein, den anderen gab er an die Geldbesitzer weiter. Er bekam und gab Zinsen und das Geld floss wieder. Bei jeder Runde etwas weniger, weil die Geldhändler und Zinsen zu bezahlen waren.

Regelmässig wurde neues Geld nötig. Das lag einmal an den Zinsen und dem Geldhändler zum anderen aber auch daran, dass zum Produzieren der neuen Wahren auch Geld benötigt wird. Geld, das noch nicht erwirtschaftet ist. Man kann es als einen Vorschuss auf die Entwicklungs- und Produktionskosten in Form eines Kredits sehen.

Also stieg nun regelmässig die Geldmenge etwas stärker als die Produktmenge an. Das bedeutete, dass die Zinsen, die man für gehortetes Geld bekam nichts mehr wert wahren. Das System drohte zusammenzubrechen. Was tun? Statt nun kein Geld mehr zu horten wurde zum Ausgleich der Zins zu dem gehorteten Geld gelegt und in der nächsten Runde mitverzinst. Bei wenig Geld wird die Inflation ausgeglichen – aber bei viel Geld, in den Bereichen, in denen die Geldhändler rechneten, verdiente man ordentlich. Man störte sich nicht gross daran.

Vielleicht hatte ein Weitsichtiger, der Mathematik zugeneigten Mensch einmal ausgerechnet, was da an Gelder über die Zeit entstehen. Der wird Augen gemacht haben, als er sah, dass die Gelder an einem bestimmten Punkt exorbitant steigen, aber auch gesehen haben, dass das erst in einer weit entfernten Zeit geschehen wird.

Andere Effekte fallen einem erst auf, wenn man über sie stolpert. Zum Beispiel lief das System wie geplant, aber plötzlich steigen die Preise. Was ist los? Zum Zinseszinssystem gehört, dass zwar die Zinsen, nicht aber die Schulden abgezahlt werden (das würde bedeuten, dass Geld vernichtet werden würde – und das kann man wirklich nicht verlangt werden, war sogar unter Strafe gestellt). Das verleitet die Menschen dazu, die Zinsschulden mit neuen Krediten zu bedienen. Dadurch wird der Zinseszinzeffekt beschleunigt. Bei jedem Produkt steigt der Anteil stetig, der zum Bezahlen des Zinses nötig wird, von fast nicht messbar wird er spürbar dann zieht er an um zum Schluss expotenzial zu wachsen. Zu dem Ende wird es aber nicht kommen. Die Hersteller werden schon viel früher keine Kredite mehr bekommen und werden einfach kaputt gehen. Oder sie gehen ein, weil sich niemand mehr die Produkte leisten kann oder will.

Manche sagen, dass da ein System dahinter steckt. Diejenigen, die das Geld haben, werden die Hersteller aufkaufen und nicht kaputtgehen lassen (Geld hilft Geld, das ist nicht sehr beliebt, schon gar nicht, wenn sich ausländisches Geld einmischt, aber es hilft dem Betrieb und damit auch den Arbeitern aus der Patsche – das geht, Retter sind immer Populär). Sie werden für ein Butterbrot die Betriebe und wegen der vielen Notverkäufe auch alle anderen wertvollen Artikel bekommen, dazu die Patente und … Ab einem bestimmten Zeitpunkt hat dann eine oder wenige Firmen alles in der Hand und kann alles bestimmen, ganz egal was Regierungen, Menschenrecht und Ethik sagen. Sie werden die uneingeschränkten und willkürlichen Herrscher sein – weil ohne Geld nichts geht.

So kann es kommen. Theoretisch. Praktisch hat die Geschichte gezeigt, dass Märkte in solchen Situationen einfach zusammenbrechen und alles geht von vorne los. Die paar Mal, die es geklappt hat, waren von sehr günstigen Umständen begleitet aber es gab immer schnell Aufstände und … bis die Operation „Korrektur der Geldverteilung“ gelungen ist.

Warum geht es immer wieder von vorne lost? Weil man sich einbildet etwas gelernt zu haben und weil man denkt, dass man Zeit hat – ein paar hindert Jahre. Dabei wird meist vergessen, dass hier nur ein Faktor bedacht wurde es aber viele gefährdende Faktoren gibt,  die meisten gehen wohl von 60 bis 80 Jahren bis zum Kollaps aus. Auf Generationen übertragen bedeutet das: Man selbst packt an, weil es eine gute Perspektive gibt, den eigenen Kindern geht es gut, die Enkel baden es aus.

Muss der Markt kollabieren? Es gibt sichere Mittel dazu wie die Kombination von Tausch und Werterhalt …  Ausserdem darf man die späteren Akteure nicht vergessen: Die fetten Jahre sind scheinbar vorbei aber da sind fette Gewinnversprechen – wenn man nur dürfte!? Setzen sich diese Kräfte durch geht es relativ schnell, aber man glaubt sich lange in einer goldenen Zeit. Früher gab es kaum wirklich Reiche, jetzt immer mehr (man träumt davon, dass bald alle richtig reich sind. Dann haben alle fette Konten – und messen sich am Unterschied, letztlich hat man nur Inflation gemacht), niemand muss mehr arbeiten, das Geld macht das selbst … alles gute Vorsätze, viele würden zustimmen und eben in die Falle tappen. Muss der Markt kollabieren? Nein – aber es hängt davon ab, ob man sich seinen Kindern und Enkeln hat verständlich gemacht.

Muss der Markt demnächst kollabieren? Ist er das nicht bereits? Sicher haben wir die ersten ernsten Anzeichen gesehen und die Menschen beginnen sich auf schwere Zeiten einzustellen. Lassen sie es passiv über sich ergehen und erst danach anpacken oder werden sie heute anpacken und es verhindern?Anpacken werden sie so oder so müssen.

Es ist noch nicht zuspät um den Kollaps zu verhindern – aber da geht es schon los: Wenn noch Zeit ist, dann machen wir einfach weiter wie bisher, vielleicht hält es ja bis zu meine Abwahl / Pensionierung – dann kann ich wenigstens sagen: „Ich war es nicht“ oder: „Ich hätte das nicht zugelassen, bei mir wäre das nicht passiert“.

Mit: „Augen zu und durch, weil die anderen nicht wollen“ werden wir es nicht schaffen. Mit Nachdenken und anpacken können wir es schaffen. Noch ist es nicht zuspät, wir dürfen nur nicht mit den Lemmingen tanzen.

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From → Politik, Wirtschaft

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